Liebe Babsy,
beim Thema Kösslmühle stimme ich Ihnen in einigen Punkten zu. Es handelt sich um eine Liegenschaft, die im Privateigentum ist und trotz seiner exponierten Lage nicht unter Denkmalschutz steht. Den Eigentümern steht es, sowie jedem anderen Liegenschaftseigentümer auch, frei ein baufälliges Gebäude ab zu reißen und ein neues Haus an dessen Stelle zu setzen. Die Pläne, die nun der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, sehen ca. 20 Wohnungen an diesem Platz vor, samt Bootshäusern. Die Umsetzbarkeit eines solchen Projektes im Hinblick auf Naturschutz etc. ist noch offen. Betreffend die architektonische Gestaltung ist der Prozess (Gestaltungsbeirat, Entscheidung über Bebauungsplan etc.) noch nicht eingeleitet.

Es wurde seitens der Projektanten lediglich darauf hingewiesen, dass es zu keiner wesentlichen Änderung im Hinblick auf die Größe des Gebäudes kommen soll. Das ist der derzeitige Stand. Die Tatsache, dass das Gebäude nicht ungenutzt bleibt und somit dem Verfall Preis gegeben ist, sehe ich positiv, ebenso den Plan, ein Gebäude zu errichten, dessen Umfang im Wesentlichen dem jetzigen Bestand entsprechen soll. Dies ist meine grundsätzliche Meinung zu dem vorgestellten Projekt. Der Titel der OÖN, mit dem Zitat von mir „Es ist ein gutes Projekt“ ist eine zu kurz gefasste und irreführende Meldung zu meiner Aussage.
Zum Thema „Gestaltungsbeirat“ ein kurzer „Fakten-Check“ meinerseits: Der Gestaltungsbeirat setzt sich keineswegs aus den Architekten dieser Stadt zusammen. Alle Mitglieder werden von der Architektenkammer bestimmt und dürfen innerhalb einer Sperrfrist in Gmunden auch keine eigenen Bauprojekte betreiben. Die Qualitätskontrolle erfolgt sehr wohl mit Hilfe des Gestaltungsbeirates. Ob allerdings die Politik den Empfehlungen dieses Gremiums folgt, ist eine andere Frage. Als weitere problematische Schnittstelle sehe ich die tatsächliche bauliche Umsetzung durch die Bauherren. Auch hier kommt es immer wieder zu entscheidenden Qualitätsverlusten. Dass die Mitglieder des Beirates Architekten sind und Architekten prinzipiell bauen wollen, ist klar.
Um „Bauspekulationsspiele“ zu verhindern, bedarf es keinesfalls der Abschaffung des Gestaltungsbeirates. Im Gegenteil. Nur die völlige Transparenz der Abläufe kann diese negativen Tendenzen verhindern. Die Öffentlichkeit des Gestaltungsbeirates hat hier einen entscheidenden Beitrag geleistet. Einen weiteren Schritt in diese Richtung sehe ich durch die Öffnung des Bauausschusses für alle Gemeinderatsmandatare. Diese habe ich als Vertreter der B.I.G. und als Baustadtrat bereits angeregt und hoffe auf die baldige Umsetzung.
Dipl.-Ing. Reinhold Kassmannhuber